Wunderkammer

Staunen im Neuen Zirkus

Das CHAMÄLEON Theater zeigt fabelhaften „New Circus“ aus Australien

von Jana Sittnick

Am Anfang ist der Körper – Muskeln, Sehnen und Haut über den biegsamen Knochen, ein pumpendes Herz im Brustkorb, die Nacktheit kaum bedeckt. Er gleitet über den Boden und durch die Luft, umwindet Kletterstangen, schwebt am Trapez, dreht Hula Hoop Reifen und baut mehrteilige Menschen-Pyramiden. Es scheint, als überwinde der Körper die Schwerkraft. Sein Zusammenspiel von Kontrolle und Hingabe erzeugt pures Staunen.

Die australische Zirkus-Kompanie C!RCA ist mit einer Neuauflage ihrer Show WUNDERKAMMER im Berliner CHAMÄLEON Theater zu Gast. Und setzt Maßstäbe in moderner Artistik, die mit Zirkusnummern soviel zu tun hat wie der Ballsaal des Theaters mit einer Festmeile am Stadtrand. Was die CIRCA-Show zeigt, ist ein auf die Physis reduziertes, von Firlefanz befreites Körpertheater. Ihr „Neuer Zirkus“ ist gemischt mit Tanz, Burlesque und Live-Musik. Hier springt kein Pudel durch den Reifen, sondern die geballte Ladung Stil, Witz und Akrobatik-Talent.

Die drei Artistinnen und vier Artisten bespielen die Bühne mit Soli (Reifen, Stange, Kontorsion) und mit Gruppennummern, in denen Figuren geworfen, auf einander gestiegen und per Ein-Handstand schon mal drei Leute gehalten werden. Dazu gibt es Gebalge und Geschlechterrollen-Tausch, das ist skurril, erotisch, dramatisch. Schwarz ausgelegt ist die Bühne, schwarz und knapp sind auch die Kostüme, oft sind es nur Dessous (kombiniert mit schreiroten High Heels).

Die australische Gruppe C!RCA unter der Leitung des Regisseurs Yaron Lifschitz gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des „New Circus“. Die internationale Kompanie wurde 2006 in Brisbane gegründet, spielte Shows am Sydney Opera House und dem New Yorker Broadway und tourt derzeit mit verschiedenen Produktionen durch 32 Länder.

Seit kurzem ist sie nun auch in Berlin zu bestaunen. Das CHAMÄLEON Theater, das seine (privat finanzierte) Bühne konsequent dem Neuen Zirkus widmet, präsentiert die WUNDERKAMMER – Show bis Februar 2016. In diesem Theaterherbst zeigt man hier nicht nur stolz die australischen Ausnahme-Artisten, sondern auch den denkmalgeschützten Theatersaal mit aufwändig saniertem Parkett und zwei neuen Logen-Balkonen mit 24 Plätzen und separatem Eingang.

Der Titel „Wunderkammer“ ist mit Bedacht gewählt und bezieht sich auf barocke Kuriositätenkabinette, in denen exotische Objekte ausgestellt wurden. Dinge, über die man staunen wollte – und sollte.

© Jana Sittnick / WEBLINK Red Carpet Reports 

Foto: René Duvinage

WUNDERKAMMER Show bis Februar 2016, im CHAMÄLEON, Berlin-Mitte, chamaeleonberlin.com

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