Kreuzberg – Katrin

Katrin war verrückt, sagten die, die sie näher kannten. Als 15jährige hatte sie einen schweren Autounfall gehabt, der ihr Nervenzentrum beschädigt hatte. Man sagte, es sei ein Wunder, dass sie überlebt hatte, mit schleifendem Gang, die Glieder verrenkt, die Sprache undeutlich. Katrin kam im Sommer oft in die kleine Bar, diesen Open Air Spielplatz für Partyleute. Die Betreiber nannten ihn stolz Biergarten, aber das traf es nicht, zwar sitzte man draußen, auf Holzbänken und trank Bier, unter den Füßen Kieselsteine, über dem Kopf die Blätter alter Kastanien. Der Ort zwischen Mitte und Kreuzberg hatte seinen abgerissenen, ronzigen Charme. Berliner Anti-Schick, wenn man so will, alle mochten das in dem Sommer, die alten Techno-Hasen, die Nimmersatten, die Immerjungen, und – of course – die Party –  Touristen aus Dänemark, Holland, Italien. Doch zurück zu Katrin…

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